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(20. April 2007; 1-2; Proseminar "Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte: Königsherrschaft ohne Staat – Die Ottonen"; Historisches Institut; Prof. Dr. Wolfgang E. Wagner)

Lexikonartikel - Kunigunde

 

Kunigunde, Kaiserin, Heilige(* um 980, † 3.3.1033 oder 1039 im Kloster Kaufungen bei Kassel, beigesetzt im Bamberger Dom) Vater: Graf Siegfried I. von Luxemburg. Mutter: Hadwig, Tochter des Markgrafen Berthold von Schweinfurt. Geschwister: mindestens 5; u. a. Herzog Heinrich V. von Bayern, Bischof Dietrich II. von Metz. Verheiratet mit Herzog Heinrich III. von Bayern (später Kaiser Heinrich II.), die Ehe blieb kinderlos.

Über die Zeit vor ihrer Heirat (irgendwann zwischen 998 und 1000) mit Herzog Heinrich III. von Bayern, dem späteren deutschen Kaiser Heinrich II. ist nichts bekannt. Nach dem Tode von Otto III. im Jahre1002 wurde sie in Paderborn vom Erzbischof Willigis von Mainz zur neuen Königin gekrönt. 1014 folgte dann die Krönung zur Kaiserin durch Papst Benedikt VIII. in Rom. Sie gilt als stark religiös geprägt und sehr intelligent. Sie übte zeitlebens enormen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte ihres Mannes aus und agierte während seiner Abwesenheit auch direkt als dessen Stellvertreterin. Ihre derartig herausgehobene Stellung wird durch ihre Kaiserkrönung, die zeitgleich mit der ihres Mannes erfolgte, noch unterstrichen. Nach dem Tode ihres Gatten im Juli 1024 regierte sie zusammen mit ihren oben erwähnten Brüdern das Reich, bis im September 1024 der Nachfolger gekrönt war. Besonderes Interesse hatte sie an der Unterstützung kirchlicher Belange, allerdings unterstütze sie die Reformbestrebungen ihres Gatten. Dafür gab sie sogar Bamberg als einen Teil ihrer Witwenausstattung auf und erhielt dafür das Königsgut Kassel, wo sie 1017 nach einer schweren Krankheit das Benediktinerkloster zum Heiligen Kreuz stiftete. Nach der Inthronisation des neuen Königs, verzichtete sie auf ihr zustehende Privilegien, trat als einfache Nonne in das von ihr gestiftete Kloster ein und verblieb dort bis zu ihrem Lebensende in nicht privilegierter, dienender Funktion. Ihre Ehe war nicht nur vorbildlich sittlich und fromm, sondern auch (ungewollt?) kinderlos, weshalb die Legende der Josephsehe aufkam. Es entwickelte sich ein regelrechter Kult um das Herrscherpaar, aus dem sich nach der Heiligsprechung Heinrichs ein eigener Kunigunde-Kult entwickelte. Dieser marienähnliche Kult wurde mit der Heiligsprechung Kunigundes als imperatorix et virgo am 29.3.1200 durch Papst Innozenz III. legitimiert. Seit der Zusammenlegung der beiden Gräber des Herrscherpaares, liegen sie vereint in einem Grab im Bamberger Dom.

verwendete Literatur

  • Glocker, Winfried: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Studien zur Familienpolitik und zur Genealogie des sächsischen Kaiserhauses. Köln [u. a.] 1989, S. 225-243.
  • Historische Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften [Hrsg.]: Neue deutsche Biographie. Bd. 13. Berlin 1982, S. 298 f.
  • Münch, Ingrid: Kunigunde. In: Bautz, Friedrich Wilhelm [Hrsg.]: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bd.4. Herzberg 1992, Spalten 817-820.
  • Schreiner, Klaus: Hildegard, Adelheid, Kunigunde. Leben und Verehrung heiliger Herrscherinnen im Spiegel ihrer deutschsprachigen Lebensbeschreibungen aus der Zeit der späten Antike. In: Burghartz, Susanna [u. a.] [Hrsg.]: Spannungen und Widersprüche. Gedenkschrift für Franti?ek Graus. Sigmaringen 1992, S. 37-50.
  • Williams, Ulla; Williams-Krapp, Werner [Hrsg.]: Elsässische Legenda Aurea. Bd. 1: Das Normalkorpus. Tübingen 1980, S. 588-590.

Empfohlene, aber aufgrund langer Lieferzeiten bei Fernleihen nicht verwendete Literatur

  • Baumgärtner, Ingrid: Kunigunde – eine Kaiserin an der Jahrtausendwende. Kassel 2002.
  • Gebser, Anne: Die Bedeutung der Kaiserin Kunigunde für die Regierung Heinrichs II. Berlin 1987.
  • Guth, Klaus: Die heiligen Heinrich und Kunigunde. Leben, Legende, Kult und Kunst. Bamberg 1986.
  • Harner, Pierre: Kunigunde von Luxemburg. Die Rettung des Reiches. Luxemburg 1985.
  • Klauser, Renate: Der Heinrichs- und Kunigundenkult im mittelalterlichen Bistum Bamberg. Bamberg 1957.